Fehlermachen als Lernchance für junge Männer
Im Rahmen des Projektes „Failstunde“ fand zwischen Frühling und Herbst 2025 drei mehrtägige Workshopeinheiten mit jungen Männern zwischen 16 und 24 Jahren im Jugendbildungszentrum Mödling statt. Ziel der Workshops war es, das Thema Fehlermachen erlebbar zu machen und die Teilnehmenden zu ermutigen, Fehler als natürlichen und wichtigen Bestandteil von Lern- und Entwicklungsprozessen zu begreifen. Durch theaterpädagogische Methoden, gruppendynamische Übungen und kreative Ansätze wurde ein sicherer Raum geschaffen, in dem die Jugendlichen sich ausprobieren, experimentieren und voneinander lernen konnten. Besonderes Augenmerk wurde im Rahmen dieses Projekts auf die Lebenswelt von Buben und jungen Männer gelegt. Diese sind mit stereotypen Bildern von Männlichkeit in Medien und Alltag konfrontiert, welche Erwartungen schaffen, die Selbstzweifel, toxische Maskulinität und ähnliche Konflikte im Umgang mit Schwäche und Fehlern nach sich ziehen. Es braucht Mut, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, um sich dieser Einflüsse bewusst zu werden, Probleme gewaltfrei zu lösen, Fehler zu thematisieren und sich für eine geschlechtergerechte Gesellschaft einzusetzen.
Im Mittelpunkt stand also die Frage
Wie können junge Männer Mut entwickeln, über Fehler, Zweifel und Schwächen offen zu sprechen und daraus Stärke gewinnen?
Ziele
Der Teilnehmer ist nach der Teilnahme an der „Failstunde“ in der Lage…
- Fehler zu definieren, im eigenen Leben zu erkennen und Gefühle, die dabei aufkommen zu benennen.
- den Zusammenhang zwischen Vertrauen, Risiko und Mut zu erkennen und Fehler als Bestandteil von Lernprozessen zu verstehen.
- eigene Fehler mit Hilfe des Fail-Hurricane-Modells zu analysieren, einzuordnen und geeignete Lösungsstrategien zu entwickeln.
- eigene Lebensziele zu definieren, in konkrete Schritte zu übersetzen und dabei mögliche Fehler auf dem Weg der Erreichung der Ziele zu benennen.
- Gewaltsituationen und ihre Formen zu unterscheiden, ihre Ursache in eskalierten Fehlern zu erkennen, reflektiert darüber zu sprechen und diese im Rahmen theaterpädagogischer Methoden darzustellen.
- Konfliktdynamiken wie das Drama-Dreieck zu erkennen und erste Schritte zu entwickeln, um die eigene Rolle in Fehlersituationen zu definieren und Lösungsansätze für Konflikte zu erarbeiten.
Zielgruppe & pädagogische Herausforderungen:
- Teilnehmer: Buben und junge Männer zwischen 16 und 24 Jahren, welche über das AMS Arbeits- oder Lehrstellensuchend sind.
- Herausforderungen:
Selbstwahrnehmung der TN ist überdurchschnittlich negativ behaftet
Erwartungen auf Verbesserung nicht vorhanden
Wunsch für Veränderung vorhanden, doch nicht einfach in Handlungen zu übersetzen - allg. Beobachtungen:
Tendenz zur Einnahme der Opferrolle, Selbstwertgefühle tendenziell sinkend sowie viele unverarbeitete Erinnerungen und Erfahrungen aus der Vergangenheit. Teilweise derzeitig vorhandene unbegleitete Krisensituationen
Projektinhalt
Im Verlauf der Projektwochen setzten sich die Jugendlichen mit dem Konzept von Fehlern auseinander, reflektierten persönliche Erfahrungen und entwickelten Strategien, um diese konstruktiv zu nutzen. Methodisch kamen unter anderem das Fail-Hurricane-Modell zur Analyse und Einordnung von Fehlern sowie das Konzept des Adaptive Leadership (Observe – Understand – Act) zum Einsatz, um flexibles Denken und Handeln in komplexen Situationen zu fördern. Kreative Methoden wie theaterpädagogische Szenen, filmische Übungen und Gruppenarbeit unterstützten die Reflexion, stärkten Teamfähigkeit und Selbstvertrauen und machten abstrakte Konzepte greifbar.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der gesellschaftlichen Reflexion von Rollenbildern, insbesondere von Männlichkeit, sowie auf dem Umgang mit Konflikten und gewaltfreien Lösungsansätzen. Die Jugendlichen erprobten neue Perspektiven, stärkten Empathie und soziale Sensibilität und erlebten, dass Offenheit und Verletzlichkeit als persönliche Stärken wahrgenommen werden können.
Abschließend wurden die erarbeiteten Inhalte zusammengeführt, reflektiert und in spielerischen Formaten wie der „Fehler-Challenge“ praktisch erprobt. Die Teilnehmenden berichteten, dass sie Fehler nun differenzierter betrachten, Konfliktsituationen besser einschätzen und empathischer auf andere reagieren können.
Insgesamt zeigt das Projekt, dass ein erfahrungsorientierter, methodisch vielfältiger Ansatz junge Menschen dazu befähigt, Fehler als Lernchancen zu verstehen, ihre Selbstwirksamkeit zu stärken und gesellschaftliche Rollenbilder kritisch zu hinterfragen.
Ergebnisse und Wirkung
Durch den partizipativen und kreativen Zugang der Projektwochen konnten die Jugendlichen erfahren, dass Fehlermachen nicht mit Scheitern gleichzusetzen ist, sondern eine wertvolle Möglichkeit bietet, zu lernen, zu wachsen und sich selbst besser kennenzulernen. Die Kombination aus Reflexion, Körperarbeit, Theaterpädagogik, filmischer Gestaltung und Zielarbeit machte komplexe Themen wie Fehlerkultur, Selbstwahrnehmung, Konfliktlösung und Resilienz greifbar und erfahrbar.
In allen drei Durchführungen zeigte sich eine deutliche Stärkung der Selbstwirksamkeit, Teamfähigkeit und Fehlerfreundlichkeit der Teilnehmenden. Rückmeldungen der Jugendlichen belegen, dass sie insbesondere das offene Sprechen über Fehler, das kreative Arbeiten und den respektvollen Umgang in der Gruppe als besonders bereichernd erlebt haben.
Im Rahmen der Projektwoche zusammengetragene Ressourcen in Form von Modellen, Konzepten oder auch Buchempfehlungen, wurden abschließend den teilnehmenden Buben und jungen Männern als Wegbegleiter für ihre weitere Entwicklung mitgegeben.
Hier einige der spannenden Buchempfehlungen, welche gesammelt wurden:
The Defining Decade
Meg Jay
Kunst des klaren Denkens
Rolf Dobelli
Atomic Habits
James Clear
The Café on the Edge of the World
John Strelecky

Copyright Ahmad Hachicho
WIR SAGEN DANKE AN DIE HIL FOUNDATION UND DEN BUBENBEIRAT, DER DIESES PROJEKT MÖGLICH GEMACHT HAT!


Text Ahmad Hachicho, Tobias Vees, Sebastian Dafinger




